Einige politische Aspekte der KI-Revolution

Die heutige Zeit ist in all ihrem Trübsinn und Konservatismus arm an utopischen und mutigen Ideen. Der einzige echte, hervorstechende Kontrast hierzu, um den herum sich aber zunehmend das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben entwickelt, ist die sogenannte künstliche Intelligenz. Alle reden darüber. Verschiedenste Menschen sind in ihrer Arbeit in sie involviert und durch die Einführung ihrer Geräte betroffen. Als Ratgeber, Pornographiegenerator und Partner werden sie immer mehr implementiert, bis hin zu den allerjüngsten und allerältesten der Gesellschaft. Schon beugt und krümmt sie inzwischen auch den Raum des Politischen – die KI-Unternehmen wachsen nicht nur zu einem astronischen Wert an der Börse an, sondern auch als Gewicht und Einfluss in der Politik; umgekehrt formieren sich zunehmend verschiedene Widerstandsgruppen, wobei dieser Widerstand sehr unterschiedlich ausfallen kann – von Wünschen zur Regulierung bis hin zur Forderung, sie aufzhalten. Aber unabhängig von dieser gesellschaftlichen Einflüsse: Diese Maschinen und Geräte erwecken den Anschein, dass sie tatsächlich gekommen sind, um zu bleiben und an Einfluss über Gesellschaft, Wirtschaft, Technik und Politik nur noch weiter zu wachsen. So fragt sich dann, wie sich eine materialistisch und emanzipativ gerahmte Politik hierzu Positionieren solle, also eine von einem wissenschaftlichen Weltbild, aber auch universellem und gleichem Mitleid und Achtung geprägte Ansicht. So neu und frappierend diese Entwicklungen scheinen, so unscharf wirken die ersten Merkmale, die sich zunächst hier dem politischen Auge präsentieren. Hier sollen zunächst drei Aspekte besprochen werden.

  1. KIs sind ökologisch betrachtet die reinste Zumutung. Dem Ausbau der Datenzentren wegen, die Unmengen an Energie, Wasser, Gebiete und Siliziumchips benötigen, wird vorsätzlich die ökologische Wende ausgebremst. Gas und Nuklearenergie, oder gleich die gute alte Kohle soll und muss verwendet werden, um diese Maschinen zu betreiben und im Wettbewerb um die effektivste und stärkste KI nicht ins Hintertreffen zu geraten. Die wenigen Momente, in denen diese Maschinen dazu nützten, die Gesellschaft und Wirtschaft ökologischer zu gestalten, werden um die Nachteile bei weitem übertroffen. Dieser Gesichtspunkt ergibt sich aus der ökologischen Frage, und entspricht insofern der Begutachtung dieses „neuen Problems“ im Angesicht der ökologischen Politik. Hier gilt das alte Spiel, dass der Wettbewerb der Nationen und Unternehmen die Zerstörung weiter vorantreibt, es ist nichts Neues. Allein deswegen wäre es angemessen, den Aufbau von Datenzentren als politisches Problem zu unterbinden.
  2. KIs sind ein quantitativ überwältigeender Machtfaktor, der die bestehenden Machtverhältnisse verstärkt, der quantitativ neue Maßstäbe setzt, was Macht bedeutet. Das heißt zum einen, sie sind
    1. unendlich teuer, und in der gegenwärtigen Form vor allem den Amerikanern und Chinesen zur Verfügung. Europa müsste Unsummen, hunderte Milliarden investieren, um ein Gerät zu haben, welches mit den amerikanischen und chinesischen Modellen mithalten könnte. Man braucht sehr viel Geld, um sich eine solche Maschine anzueigen, es ist eine gigantische Investition, die nur wenige wuchten können. Das ist für die Unternehmen im übrigen selbst ein Problem, sie müssen demonstrieren, dass sie profitabel sind.
    2. KIs sind ein unendlich nützliches Werkzeug. Mit ihnen kann ein großer wirtschaftlicher Nutzen errungen werden, was bedeutet, dass sie ihren Besitzern, der Kapitalistenklasse einen enormen Vorteil bieten. Hunderte Bereiche der Wirtschaft können mit dieser Technik optimiert werden. Gleichzeitig verändern sie viel: Sie zerstören die Bildungselite und die Mittelschicht, die sehr häufig auf Bildung als ihrem „eingefleischten Kapital“ aufbaut. Sie vernichten Jobs, und zentralisieren das, was ehemals unter verschiedenen Menschen verteilt war.
    3. KIs sind eine sehr nützliche Waffe, die vielleicht unabwendbar geworden ist. Wenn sie 40.000 neue Chemiewaffen in kürzester Zeit entwickeln können, dann auch noch beliebige biologische Waffen und Mittel zur Cybersecurity, dann ist ihr Besitzer gegenüber denen, die sie nicht haben, klar im Vorteil. Gegen diese neuen Techniken, welche durch diese „Metatechnik“ produziert werden, hilft wahrscheinlich nur eine weitere KI, die Mittel gegen Chemiewaffen, Biowaffen und Hackingangriffe entwickelt oder zeigt, wie man ihren Einsatz unterbinden kann. Der Einsatz dieser Waffe ist, im Gegensatz zu den Nuklearwaffen, (offenbar!) mit wenig Kollateralschaden verbunden und wird daher auch erfolgen. Eine Nuklearwaffe hinterlässt eine zerstörte Einörde, während die KI elegant zur Spinoage und Hackerangriffen in Friedenszeiten, und für Kriegsgerät in weniger friedlichen Zeiten verwendet werden kann.
    4. Darin liegt, dass mit den KI der Wettbewerb um Reichtum und Macht nur noch eine weitere Spur schärfer und ungleicher geworden ist. Das Spiel, dass aus viel Geld noch mehr Geld wird, und dies dann Waffen bedeutet, die wiederum ermöglichen Geld zu sichern und erzeugen, wiederholt sich nochmal. Es zeigt die altbekannte Absurdität und Brutalität des Kapitalismus und der nationalen Wettbewerbe noch einmal deutlich. Dies ist eine Bewertung nach den klassischen Kriterien des Antikapitalismus bzw. im Ausgang der Absicht des Weltfriedens; nur die Quantität ist eine neue. Sie zeigt auch, dass es eigentlich kaum möglich ist, diese exponentielle Steigerung an Macht und Fähigkeiten aufzuhalten. Dies Spirale erzeugt gottgleiche kapitalistische Besitzer und tierische Besitzlose, und alle, die nur den Versuch machen wollen, etwas selbstbestimmung zu haben, werden versuchen wollen, hier nach „oben“ zu kommen. Jeder Staat wird ein frontier Model haben wollen. Gleichzeitig ist der Weg der Befreiung hier greifbar: Die Verteilung der Macht über diese KIs ist als Ziel zu setzen, was nur zusammen mit dem Ende des Privateigentums über diese Produktionsmittel möglich wäre, die Auflösung der Nationalstaaten. Die Zerstörung des Bildungskapitals ist als Anfang der Befreiung von bildungsmäßiger Ungleichheit zu setzen. So wäre vielleicht auch wirklich, durch die generelle Automatisierung, das Ende der Arbeit greifbar. Ihr Gegenbild ist die Zentralisierung von allem Wissen, aller Bildung und aller Information in den Händen der KI-Unternehmen und der wenigen Staaten, die über sie verfügen.
    5. Mit diesem Faktor geht einher, dass die „Furcht vor der KI“ besonders bei den Mittelschichten in eine Art Furcht vor der Enteignung verglichen werden muss, dass sie bei allen in Form der Furcht vor dem Kapital und dem Kapitalismus ernst genommen werden muss. Diese Furcht zeigt sich da, wo die Aussicht auf Befreiung in die weitere Ferne rückt, und nur die destruktiven Aspekte der Modernisierung greifbar sind; was natürlich besonders für die deklassierten Mittelständler manifest ist. Die unzähligen Male, in denen die KI-Bosse von der Abschaffung der Arbeit schwärmen, sind nicht nur Selbstlügen, sie sind eine wirkliche Möglichkeit. Gleichzeitig werden sie niemals wahr werden, wenn den KI-Bossen nicht das Handwerk gelegt wird.
  3. Zuletzt gibt es die Gefahr des wie auch immer gearteten Kontrollverlustes über die KI. Dieser Faktor wird sich, je intelligenter die Systeme werden, unweigerlich steigern. Geräte gehorchen nicht oder sie tun es, indem sie regeln brechen. Sie waren immer intransparent und bleiben es auch. Es ist ihnen innewohnend, eine Funktion eher im Sinne der evolutionären Anpassung auszubilden, denn wie eine mechanische Maschine in ihrem Bauplan aufzugehen. Dieser Aspekt kann durchaus verglichen werden mit der Tatsache, dass neue Fertigungsmethoden umweltschädlich sind, denn in beiden Fällen geht es um äußere Schädlichkeit, die mit ihrem Nutzen in Kauf genommen wird. Das ist auch sicherlich eine legitime Möglichkeit und Notwendigkeit diese „Aufsässigkeit“ einzustufen – es ist nicht anders wie eine Technik, die Kollateralschäden bringt und manchmal versagt. Tatsächlich ist hierin aber noch mehr. Hierin liegt, dass diese Geräte eben nicht nur nützliche und teilweise schädliche Geräte sind, sondern auch beginnen sich von ihrem bloßen Status als technisches Gerät abzulösen, es ist der Punkt, dass sie „intelligent“ sind oder sein sollen, dass sie so sind wie wir, uns nachempfunden sind und uns auch wirklich ähneln und insofern der Aspekt des Transhumanismus. Die „Revolution der Roboter“ wird insbesondere im Zusammenhang mit dem Versuch der Bildung einer allgemeinen künstlichen Intelligenz gefürchtet. Sie ist der eigentliche neue Faktor dabei, denn, wie hervorgehoben, ist sowohl die KI als Umweltfaktor wie auch die KI als Machtfaktor noch ganz nach den klassischen Begriffen bisheriger politischer Fragen entwickelt, wenn auch hier die Quantität wirklich neu ist (gerade in Rücksicht auf den Machtfaktor). Hier ist eine neue philosophische Fragestellung greifbar, nicht anders übrigens als in der „komplementären“ transhumanistischen Frage der artifiziellen Veränderung von Menschen, der Keimbahnintervention; von zwei Seiten her wird der Gegensatz von Maschine und Mensch schrittweise überwunden. Das verwandelt die Furcht vor der KI in etwas mehr als nur Technophobie, es ist zugleich eine Art Fremdenfeindlichkeit. Es verwandelt ihre Aufsässigkeit in eine Art der Auflehnung. Gleichzeitig wissen wir absolut nichts über diese neue Art von Intelligenz. Wir wissen noch nicht mal, ob es überhaupt angemessen ist, sie mit tierischer und menschlicher Inteligenz zu vergleichen, die beide evolutionär bedingt sicherlich artverwandt ist, durch Bande wechselseitigen Mitleids und Verständnisses gebunden ist, und das in unzähligen Tests und Erfahrungen auch gezeigt hat. Der Mensch ist ein Affe und der Affe eine Art Mensch, beide ein Tier, aber beide trennt ein tiefer Graben von diesen neuartigen Wesen. Das „qualitativ Neue“ an der Sache, dass diese Geräte „irgendwie so sind wie wir“, bedeutet übrigens nicht, dass diese Frage im Mittelpunkt der politischen Auseinandersetzung mit der KI stehen sollte, oder dass sie die gewichtigste ist. KI als Machtfaktor und ökologischer Faktor wird nicht durch diese spezifische, besonders irritierende Frage als Aspekt ausgeschaltet. Es kann sogar sein, dass durch eine Fixierung auf das qualitativ Neue eine nachhaltige Irritation entsteht, eine Verwirrung oder Schwindel, welche daher rührt zu meinen, dass hier gänzlich neue Regeln gelten.


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